Markus Hager: Schiedsrichter auf, Beobachter neben dem Platz

Markus Hager: Schiedsrichter auf, Beobachter neben dem Platz 2018-06-28T00:33:35+02:00

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Markus Hager: Schiedsrichter auf, Beobachter neben dem Platz

Ab der D-Jugend spielte der ehemalige Torhüter Markus Hager für den SV Schönbrunn, später dann in der Ersten Mannschaft. Nach seiner eigenen Karriere stellte er sich manchmal als Linienrichter bei seinem Heimatverein zur Verfügung und schaute auch sonst regelmäßig den Spielen zu. Weil er bei einem Spiel nicht nur einmal lautstark den Schiedsrichter kritisierte, gab ihm dieser zur Antwort: „Dann mach’s halt selber!“ Das nahm sich der am Heiligen Abend 1980 geborene, gelernte Elektro-Meister dann zu Herzen und legte seine Schiedsrichter-Prüfung ab. „An dieser Stelle ein Gruß und ein Dankeschön an den unbekannten Schiri für den guten Anreiz.“, lächelt Markus Hager. Noch unter dem Obmann Hans Neundörfer wurde er von Johannes Maciejonczyk, dem jetzigen Bürgermeister von Burgebrach und „Steigerwälder Landsmann“ des Schönbrunners Hager, ausgebildet. „Ich denke, es war ein Vorteil, dass ich schon etwas älter war, als ich meinen Schein gemacht habe. Ein noch größerer Vorteil war, dass ich selbst lange Fußball gespielt habe.“, schätzt der 1,86 m große ehemalige Lehrwart der Schiedsrichter-Gruppe Steigerwald ein. „Ich kann mich nicht mehr genau an meine ersten Einsätze erinnern, aber ich glaube, ich habe da auch manchmal einen Schrott gepfiffen.“, grinst er. Später brachte er es bis in die Bezirksliga. „Allerdings“, kommt er auf sein Einstiegsalter zurück, „ist es auch so, dass der Schiedsrichter, der höhere Ambitionen (Bundesliga) hat, nicht erst im Alter von 30 mit der Schiedsrichterei anfangen darf.“, weiß er. An der Basis allerdings wären ehemalige Fußballer, die nach ihrer eigenen Karriere zur Pfeife wechseln, wichtig. „Wie beispielsweise Martin Ehrbar oder Elmar Seeberger in unserer Gruppe. Diese erfahrenen Fußballer sind in der Regel auch schnell leistungsstarke Schiedsrichter.“

„Bezirksliga war meine Leistungsgrenze“

Markus Hager selbst musste sich ein Jahr lang seine Sporen im Jugendbereich, in den damals noch nicht aufstiegsberechtigten Reserven oder bei den Alten Herren verdienen. „Da habe ich den Umgang mit den Leuten und das Gefühl für Situationen gelernt.“, blickt er zurück. Weiter ging es mit den ersten Mannschaften, dem höheren B- und A-Jugendbereich – und dann wurde er in die Bezirksliga berufen, zur damaligen Zeit gab es noch keine Bezirksliga-Anwärter auf Kreisebene. Zwei Jahre leitete er dort Spiele und gibt zu: „Das war meine Leistungsgrenze! Mir fehlte zu der Zeit einfach die Cleverness und die Erfahrung. Heutzutage würde ich mich da sicher leichter tun – allerdings bin ich auch nicht mehr der fitteste.“, grinst er. Zur damaligen Zeit leitete er um die 80 Spiele als SR und SRA im Jahr.

„Überlegt, wie ich später vom Platz komme… „

Natürlich gab es für ihn in der Zeit seit 2004, seitdem er aktiver Schiedsrichter ist, auch das eine oder andere aufregende Spiel. In einer hektischen Partie vor ein paar Jahren ging es auf und außerhalb des Platzes so heiß her, „dass ich mir in den letzten Minuten schon überlegt habe, wie ich heute vom Platz komme… Ein anderes Mal entwickelte sich direkt nach dem Abpfiff eine wüste Schlägerei unter den beteiligten Spielern und Zuschauern.“, erinnert er sich. Und: „Als ich noch jünger war, kam ich einmal direkt von einer Party zu einem Spiel. Danach – und nach meiner Leistung an dem Tag – stand fest: Das hätte ich nicht machen sollen.“, lacht Markus Hager heute darüber. „Grundsätzlich gehört es einfach dazu, dass man als Schiedsrichter auch einmal ein schlechtes Spiel macht. In den höheren Ligen verzeihen die Spieler und Trainer Fehler allerdings leichter, so dass angemessene Kritik natürlich nach dem Spiel kommt, aber oft auch gleichzeitig die Einsicht, dass der Schiri nicht das Spiel verloren hat!“ Mittlerweile kommt es häufiger vor, dass Markus Hager nicht mit der Pfeife im Mund auf, sondern mit Stift und Block in der Hand neben dem Spielfeld steht und beobachtet. Das letzte Wort des letzten Satzes sagt es schon: Er ist mittlerweile als Beobachter auf Bezirksebene unterwegs.

Grundsätzliches zum Beobachtungswesen

Jeder Fußballer, jeder Trainer und jeder Besucher eines Fußballspiels, hat es schon etliche Male getan: den Schiedsrichter „bewertet“. Doch was auf den Amateurplätzen meist subjektiv und emotional geschieht, muss von den Schiedsrichterausschüssen, für die die Beobachter von der Kreisebene bis hin zum DFB tätig sind, objektiv und sachlich vorgenommen werden. Schließlich entscheiden über Auf- und Abstieg eines Schiedsrichters nicht zuletzt auch die Bewertungsbögen aus den Spielbeobachtungen. Durchgeführt werden die Beobachtungen meist von ehemaligen oder erfahrenen aktiven Schiedsrichtern, die neben einer guten Regelkenntnis und den Besuch von Fortbildungen zusätzlich über pädagogische und analytische Fähigkeiten verfügen. Als ehemaliger Lehrwart der Gruppe Steigerwald ist nicht zuletzt die Regelkenntnis kein Problem für Markus Hager. Wechselnde Beobachter sorgen für eine möglichst objektive Beurteilung. Um den Schiedsrichter umfassend zu bewerten, deckt eine Beobachtung alle wichtigen Bereiche ab. Deshalb wird nicht nur die korrekte Regelanwendung und das Fußballverständnis kritisch beäugt, sondern auch das Auftreten und die Persönlichkeit des Schiedsrichters, sowie seine körperliche Verfassung. Im Anschluss an das Spiel findet eine kurze Besprechung statt, in der die Schlüsselsituationen aufgearbeitet werden. Eine schriftliche Auswertung erhält der Schiedsrichter einige Tage nach dem Spiel in Form eines Bewertungsbogens. So erklärt der DFB das System.

Ähnliche Prinzipien wie beim Pfeifen

„Für den Beobachter gibt es ähnliche Grundsätze wie für den Schiedsrichter: Das geht bei der zeitigen Anreise los. Vor dem Spiel stellt man sich kurz vor und wünscht dem Referee viel Erfolg. Man muss sich nicht nur als Schiedsrichter, sondern auch als Beobachter ständig hinterfragen, hat man die Situationen richtig beurteilt und konnte man dem SR helfen, sich weiterzuentwickeln!“ Und natürlich werden die Beobachter auch geschult. Bei Markus Hager auf Bezirksebene ist das ein ehemaliger Bundesliga-Beobachter. „Der ist beim ersten Spielen und späteren Spielen auch mit dabei.“ Grundsätzlich ist Beobachtungswesen ein wichtiges Element der Schiedsrichterei: „Je besser und ausgeprägter das Beobachter-Wesen, desto besser ist das Schiedsrichter-Wesen.“, meint Markus Hager. Denn Ziel ist zum einen die Leistungsbewertung der einzelnen Referees, zum anderen aber auch, sie in ihrer Leistung weiterzubringen. „Deswegen erfolgt auch das sogenannte Coaching, denn dadurch, dass sowohl Positives als auch Negatives angesprochen und analysiert wird, soll der Schiedsrichter besser werden. Das Coaching nach der Partie dauert in der Regel 15 bis 20 Minuten bis maximal eine halbe Stunde – je nach Spielverlauf.“, erklärt Markus Hager. „Ideal ist es deshalb, wenn ein Beobachter einen Schiedsrichter nach einer gewissen Zeit erneut unter die Lupe nimmt um zu sehen, wie er sich entwickelt!“ Auf das einzelne Spiel bezogen – in der Bezirksliga werden die Schiris sieben Mal beobachtet – geht es darum, eine Gesamtbetrachtung der Leistung unter Einbeziehung des Schwierigkeitsgrades der jeweiligen Partie vorzunehmen.

So sorgt der gelernte Elektromeister Markus Hager also nicht nur beruflich für Spannung, sondern mittlerweile auch bei den von ihm beobachteten Schiedsrichtern, bevor sie im Coaching mitbekommen, wie ihre Leistung ausgefallen ist!