Uli Schönfeld: „Mich macht nix mehr verrückt…!“

Uli Schönfeld: „Mich macht nix mehr verrückt…!“ 2018-06-28T00:24:32+02:00

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Uli Schönfeld: „Mich macht nix mehr verrückt…!“

„Als ich als 19-jähriger Fußballer in den Herren-Bereich kam, haben uns immer recht alte Schiedsrichter gepfiffen. Dann habe ich zum damaligen Obmann Hans Neundorfer gesagt: ‚Also, was die teilweise zusammenpfeifen, das kriege ich auch hin…‘!“, erklärt der heutige Kreisliga-Schiri, wie er zum Pfeifen kam. Denn: „Der Obmann hat mich dann einfach zu einem Neulingskurs angemeldet, nach dem Motto: Wer so die Klappe aufreißt, der soll es auch beweisen.“ Gerade in der Anfangszeit bzw. solange Uli Schönfeld noch selbst Fußball spielte – er lief für Frensdorf, für Reundorf und für ein halbes Jahr für Koppenwind auf – „hat mir das Pfeifen gar nicht so viel Spaß gemacht. Eben weil ich noch selbst spielte und seit ich 17 war auch als Schülertrainer tätig war.“, blickt er auf seine ersten Jahre als Referee zurück, der immer so seine 15 bis 20 Partien im Jahr leitete. Heutzutage hat er diese Anzahl spätestens nach einem Monat erreicht. „Seit März diesen Jahres habe ich mittlerweile 107 Spiele gepfiffen!“, rechnet der umtriebige Schiedsrichter vor. „Bis einschließlich nächsten Sonntag“, erklärt er beim an diesem Montag stattgefundenden Gespräch, „bin ich sieben Mal im Einsatz!“ Quer verteilt über alle Altersklassen und Geschlechter.

An vier verschiedenen Plätzen an einem Sonntag

„Es kam schon vor, dass ich an einem Sonntag an oder auf vier verschiedenen Plätzen war!“, so der glühende Bayern-Fan. „Früh bei einem Jugendspiel als Zuschauer, dann ein Jugendspiel selbst gepfiffen, dann eine Herren-Mannschaft – und weil ein Schiedsrichter ausgefallen ist, habe abends um 17.30 Uhr kurzfristig noch eines gepfiffen!“, lacht der als Bäcker tätige Uli Schönfeld. Der ist nun seit etwa zehn Jahren in der Kreisliga unterwegs. „An mein erstes Spiel in der Kreisliga kann ich mich noch ganz gut erinnern, es war im Austausch in Eicha. Das war eine schöne Zeit bis hierher, ich möchte kein Spiel missen.“, stellt er fest und denkt auch an seine Assistenten: „Bei denen möchte ich mich bedanken, denn sie haben es nicht immer leicht mit mir…“, gibt er augenzwinkernd zu. „Und wenn ich schon dabei bin, möchte ich mich auch bei meinen bisherigen Obmännern Hans Neundörfer, Manfred Schäfer, Hans-Georg Maciejonczyk und Uwe Storch bedanken, die mich immer unterstützt haben.“ Und, eher ungewöhnlich, denkt er auch an die Mannschaften und Spieler, „die sich in aller Regel ganz ordentlich benehmen und Tatsache ist“, stellt er eine einfach Rechnung auf, „ohne die Fußballer könnte ich meinem Hobby Schiedsrichter nicht nachgehen.“

„Weißt du, wer uns heute pfeift? Der Weizenuli…“

Ab und an tritt Uli Schönfeld, der zu seiner aktiven Zeit zwar „eigentlich schon jede Position, aber am Liebsten im Defensivbereich“ gespielt hat, noch selbst gegen den Ball. „Wir haben eine Freizeit-Mannschaft und nennen uns ‚Team Durscht‘.“ Dann zeigt er sein Trikot der Mannschaft, oberhalb der Rückennummer steht als Name „Weizenuli“. Daher kommt der Spitzname und der Spitzname selbst kommt wiederum daher, dass für den 42-Jährigen „Weizen mein absolutes Lieblingsgetränk ist!“, grinst er. Wie verbreitet der Spitzname ist, zeigt auch folgende Geschichte: Als Uli Schönfeld ein Spiel „meiner Lieblingsmannschaft, der C-Jugend der JFG Steigerwald“ leitete, lief er im Schiri-Trikot an den wartenden Kindern vorbei. „Da sagte dann der Justin Grubert zu einem Mitspieler: ‚Weißt du wer uns heute pfeift? Einer der besten und bekanntesten Schiris im ganzen Umkreis, der Weizenuli‘!“, erzählt der in Schlüsselau wohnhafte Junggeselle mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Der hat sich, nicht zuletzt durch seine umgängliche und gesellige Art, aber auch durch seine Zuverlässigkeit auf dem Platz, zu einer Art Schiedsrichter-Original entwickelt. Länger noch, als als Schiedsrichter, ist Uli Schönfeld als Jugendtrainer tätig gewesen. In Frensdorf, lange in Reundorf und dann in Sassanfahrt bzw. in der JFG Regnitzgrund. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht – und wir hatten auch die einen oder anderen Erfolge. Mittlerweile bin ich quasi nur noch 4. Mann… ;-)“, hat er sein Engagement im Jugendbereich zurückgeschraubt.

„Schiri, du bist a Blüütn!“

Auf dem Feld wartet Uli Schönfeld durchaus auch einmal mit originellen Sprüchen auf. Als ihm ein Zuschauer bei einem Spiel immer wieder nur den einen Satz zurief: „Schiri, du bist a Blüütn!“, hat es ihm nach dem zehnten Mal gereicht. „Ich habe die Partie unterbrochen, bin zum Zuschauer hin und habe gesagt: ‚So, du fährst jetzt heim und schaust in deinem Wörterbuch nach, ob es auch noch ein paar andere Wörter gibt. Und wenn du welche gefunden hast, darfst du wiederkommen – dann ist hoffentlich mein Spiel hier schon aus…‘!“ Was die Spielleitung an sich angeht, „behaupten manche, ich bin zu hart mit meinen Entscheidungen. Das sehe ich aber nicht so, ich lasse gerne das Spiel laufen, so gut es geht. Und ich höre mir auch schon mal das eine oder andere an, aber irgendwann braucht es dann klare Worte oder Konsequenzen.“, erzählt er von einem Spiel, in dem er von einem Akteur nach einem Pfiff aufs Übelste beleidigt wurde und er ihn mit Rot vom Feld stellte. Als der sich dann nach der Partie entschuldigen wollte, lehnte Schönfeld das ab: „Nix, geh bloß weg. Irgendwann ist Schluss!“ In seinen über 20 Jahren als Schiedsrichter hat er schon „alles mitgemacht. Mich schockt nix mehr!“, sagt er, stellt aber fest: „Die schönen Erinnerungen sind weit in der Mehrzahl!“ Am meisten macht ihm das Leiten von Spielen im höherklassigen Juniorenbereich Spaß: „Die Partien sind geil zu pfeifen, denn die Jungs wollen einfach Fußball spielen.“

Auch als Pate tätig

„Gottseidank haben wir in jüngster Zeit ein paar Jung-Schiedsrichter dazubekommen!“, freut sich Uli Schönfeld über den dringend benötigten Nachwuchs, dem er als sogenannter Pate bei den ersten Schritten und Pfiffen behilflich ist. Dazu gehören oder gehörten junge Kerle wie Dominik Fuchs oder Elias Tsatios, aber auch sein eigener Obmann Uwe Storch: „Der Uwe hatte zwar früher mal gepfiffen, aber nach einer längeren Pause hat er seinen Schiri-Schein neu gemacht.“ Dadurch galt er als Neuling und wurde von Uli Schönfeld betreut. „Wenn ich Korrekturen nach einem Spiel hatte, hat er das aber anstandslos angenommen.“ Anstandslos angenommen hat Uli Schönfeld auch schon so manche sehr kurzfristige Einteilung, wenn irgendwo ein Schiri ausfiel. „Wenn es mir irgendwie möglich ist, lasse ich in solchen Fällen den Obmann nicht im Stich. Das fordere ich auch von den höher qualifizierten Schiedsrichtern, dass sie bei Gelegenheit und wenn Not am Mann ist, auch mal unten aushelfen. An der Basis, wo auch sie angefangen haben.“ Eine der wichtigsten Aspekte als Schiedsrichter ist für Uli Schönfeld, dass er innerhalb der Gruppe im Laufe der Jahre viele Freunde gefunden hat, nennt er mit Paul Hennemann ein sehr erfahrenes und mit Sascha Drabek ein sehr junges Beispiel.

Nicht zuletzt deshalb will er weiterpfeifen, „solange es mir Spaß macht und ich noch grad laufen kann.“
Wenn also irgendwo in der Halbzeit ein Spielleiter oder Betreuer die Frage an den Schiri stellt: „Was wollen Sie denn trinken?“ und er die Antwort bekommt: „Also, am liebsten a Weizen!“, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Uli Schönfeld vor einem sitzt… Denn er hat nicht nur die sprichwörtliche „Wurschtigkeit“, die man als Schiri braucht, sondern auch die „Durschtigkeit“. Nicht umsonst spielt er ja im „Team Durscht“…