BFV-Präsident Koch zu Gast in Burgebrach

BFV-Präsident Koch zu Gast in Burgebrach 2019-11-17T21:29:42+01:00

Project Description

von der bfv-Website vom 13.11.19

BFV-Präsident Rainer Koch (ganz link im Bild) mit Jürgen Pfau (Vize-Präsident)

322. Die Zahl ist nicht groß, sie wächst aber weiter und sie drückt einen Trend aus, der wenig erfreulich ist: 322 Spiele im oberfränkischen Fußball-Kreis 1 (Bamberg, Bayreuth, Kulmbach) konnten in der abgelaufenen Saison nicht mit amtlichen Schiedsrichtern besetzt werden. 114 Partien bei den Herren, 208 bei den Junioren. Eine Entwicklung, die bayernweit ähnlich ist. Aus diesem Grund veranstaltet der Bayerische Fußball-Verband (BFV) insgesamt 22 „Runde Tische“ im Freistaat und geht gemeinsam im Dialog mit Vereinsvertretern den Gründen für immer weniger Referees auf den Grund.

So auch jetzt in Burgebrach, wo neben dem Kreisvorsitzenden Manfred Neumeister auch BFV-Präsident Rainer Koch, Vize-Präsident Jürgen Pfau und BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher teilgenommen haben. Die Sorge um ausreichenden Schiedsrichternachwuchs verstärkt sich zunehmend, die wünschenswerte Besetzung aller Verbandsspiele ist länger schon nicht immer möglich, aber auch das Verhältnis und die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Schiedsrichtern bedarf an der einen oder anderen Stelle einer Verbesserung. „Die, die heute nicht hier sind, die müssen wir erreichen“, betonte auch Koch, als die Diskussion auf aktuelle Geschehnisse im Profi-Fußball und damit immer mehr Nachahmer an der Basis kam: „Wir müssen die Herrschaften schon immer wieder daran erinnern, welche Vorbildfunktion sie haben – und es kann am Ende ja nicht so sein, dass sich ein junger Mensch wegen solcher Szenen, die er im Fernsehen sieht, dagegen entscheidet, Schiedsrichter zu werden“, unterstrich Koch.

Im Kreis 1 stellte Verbands-Schiedsrichterobmann Walter Moritz gemeinsam mit Organisator Karlheinz Brahm den rund 20 Vereinsvertretern vor, wohin die Reise gehen kann: Kürzere und attraktivere Ausbildungsformen, Online- und Wochenend-Lehrgänge, dazu stringent unter aktiven Spielern dafür sensibilisieren, dass es Referees braucht. Und das, so eine deutliche Erkenntnis unter den Vereinsvertretern des Kreises 1 in Burgebrach, geht nur im persönlichen Gespräch. Zum einen kam der Vorschlag, Schiedsrichter sollten fester Bestandteil ihrer Vereine sein.

Auch Kreisspielleiter Manfred Neumeister nahm an dem runden Tisch teil.

1037 Referees gibt es aktuell in Oberfranken, doch zumeist sind diese eigenen Referees im Heimatverein erst gar nicht bekannt – so eine Einsicht in Burgebrach. Eine andere die Installation einer Vertrauensperson, die sich für den Verein um die Schiedsrichter kümmert: „Es geht darum, dass es eine Ansprechperson gibt, die nicht nur den Schiedsrichter betreut, sondern auch den Kontakt zur Schiedsrichtergruppe sucht. Ich bin mir sicher, dass das Verhältnis dadurch ein deutlich besseres wird. Auch dann, wenn es vielleicht auch einmal hitzig zugeht“, sagte ein Vereinsvorsitzender: „Und damit nehmen wir auch den Druck von jungen, noch nicht ganz so erfahrenen Schiedsrichtern. Sie dürfen Fehler machen und wir wollen mit ihnen sachlich darüber reden. Dazu gehört aber ein gegenseitiges Verständnis. Das können wir nur im gemeinsamen Schulterschluss erreichen. Da müssen sich beide Seiten bewegen.“ Freilich weiß auch Rainer Koch um die personellen und zeitlichen Probleme des Ehrenamts: „Wir müssen aufpassen, dass wir neue Probleme nicht mit neuen Positionen beseitigen wollen. Aber vielleicht lässt es sich ja ritualisieren, dass wir einen festen Kontaktpunkt, etwa dreißig Minuten vor Anpfiff beim Checken der Trikots, etablieren. Das könnte ich mir vorstellen“, sagte Koch, während ein Vereinsvertreter meinte, die Referees sollten verpflichtend vor dem Einlaufen zu beiden Teams sprechen. Die Diskussion in Burgebrach war jedenfalls eine lebendige – das zeigte schon diese Thematik.

Kritik aus den eigenen Reihen

Und selbst wenn ins Sportheim in der Steigerwaldhalle fast 20 Vereinsvertreter gekommen waren, gab’s Kritik auch aus den eigenen Reihen. „Wir sollten solch einen Abend verpflichtend machen“, sagte ein Vereinsvertreter und wurde unter Zustimmung der Kollegen deutlich, „denn es sind wie immer nicht die da, die es betrifft. Wir müssen aber die Inhalte dieser Runden Tische nach außen tragen und multiplizieren!“ Immerhin 81 oberfränkische Vereine im Kreis 1 hatten zuletzt keinen einzigen Referee in ihren Reihen und mussten dafür Ausgleichsgebühren zahlen – auch eine Zahl, die am Abend in Burgebrach auf den Tisch kam. Doch jetzt gilt es, die Vielzahl der in ganz Bayern erarbeiteten Lösungsmöglichkeiten weiterzuverfolgen und in konkrete Maßnahmen umzusetzen.